Fluide Phasen

Ein Fluid ist im Prinzip alles, was fliessen kann: Wasser, Luft, Teig, Glas, Gletschereis, Mantelperidotit. Zwar unterscheiden sich die genannten Beispiele erheblich in Bezug auf ihre Fliessfähigkeit, ihre Viskosität, aber letztlich ist alles eine Frage der Zeit (und natürlich wieder einmal der Temperatur). So sind beispielsweise die Fenster in alten Kirchen unten dicker als oben, weil das Glas über Jahrhunderte der Schwerkraft folgend nach unten 'geflossen' ist (von Fertigungstoleranzen im Mittelalter wollen wir mal absehen ;)

Als fluide Phase bezeichnet man in den Geowissenschaften, im engeren Sinne, meist wässrige aber (hoch)salinare Lösungen, die unter hohem Druck und hoher Temperatur nicht nur sehr reaktionsfähig sind, sondern auch sehr mobil. Physikalisch handelt es sich um überkritisches Wasser, oder wenn man so möchte, um hochgradig überhitzen Wasserdampf unter sehr hohem Druck. Allerdings ist bei dem hohen Druck und der hohen Temperatur, wie sie innerhalb der Erdkruste herrschen, der Unterschied zwischen 'flüssig' und 'fest' nicht mehr eindeutig auszumachen, man spricht daher ganz allgemein von überkritischen wässrigen Fluiden. Wie schon erwähnt, ist eine Gesteinsschmelze auch eine fluide Phase, aber der Begriff wird eben hauptsächlich dann verwendet, wenn wässrige Fluide gemeint sind.