Partielle Schmelzbildung bei der Metamorphose (Anatexis)

Wann, also bei welcher Temperatur, die partielle Aufschmelzung hochgradig metamorpher Gesteine beginnt hängt vom Druck, mehr aber noch davon ab, ob fluide Phasen im System vorhanden sind, oder ob sich diese bereits 'aus dem Staub' gemacht haben. Im Beispiel der metamorphen Isograde des Damara Orogens in Namibia - ihr habt es bemerkt - kommen sowohl druck- als auch temperaturbetonte Paragenesen vor, verschiedene Teile des Orogens haben also verschiedene pTt-Pfade durchlaufen, was nicht ungewöhnlich ist.

Was die beiden Aufschmelzprozesse angeht, handelt es sich bei Isograde Nr. (8) um die folgende Schmelzreaktion:

    Muskovit + Plagioklas + Quarz + H2O ----> Sillimanit + Schmelze

Bei Isograde Nr. (10) findet dagegen folgende Schmelzreaktion statt:

   Biotit + Kalifeldspat + Plagoklas + Quarz + Cordierit ----> Schmelze + Granat

Man spricht hier von inkongruenter Schmelzbildung, weil bei der Schmelzreaktion nicht nur Minerale miteinander reagieren und dabei Schmelze bilden, sondern weil bei dieser Reaktion zusätzlich mit der Schmelze auch ein (neues) Mineral gebildet wird, im letzteren Beispiel ist dieses Mineral Granat. Man spricht bei Granat, der sich infolge einer Schmelzreaktion bildet, von peritektischem Granat.